Missionsmuseum
Eine Wunderkammer war in vergangenen Zeiten der Versuch, alle Wunder der Schöpfung in einem einzigen Raum zu vereinen. Ziel war es, Macht und Reichtum zu demonstrieren und zugleich Dankbarkeit gegenüber Gott auszudrücken. Wunderkammern waren besonders im 18. Jahrhundert beliebt. Dies hing mit der wachsenden Zahl von Menschen zusammen, die ins Ausland reisten, sowie mit dem zunehmenden Interesse an Pflanzen und Tieren. Das Missionsmuseum in Steyl ist die Steigerung einer Wunderkammer.
Missionsländer
Die Missionare von Steyl schickten aus ihren Missionsstationen Kisten an ihr Mutterhaus an der Limburger Maas. Sendungen, die monatelang über See unterwegs waren und die unterschiedlichste Objekte aus den Missionsländern enthielten. Präparierte Tiere, Masken, Ahnenfiguren, Schmuck, Kleidung, Wandteppiche, Geschirr – nichts entging ihrem Sammeltrieb.
In Steyl wurde alles von Bruder Berchmans systematisch geordnet. Sein Arbeitszimmer wurde rekonstruiert und ist heute Teil des Missionsmuseums.
1931
Im Jahr 1931 wurde das Missionsmuseum eingeweiht. Seit diesem Tag hat sich an dem überwältigenden Universum von Bruder Berchmans nichts geändert. Das Museum ist ein wundersames, surreal anmutendes Raritätenkabinett.
Besonders bemerkenswert sind die mit Blut befleckten Gewänder sowie eine Haarflechte der Patres Franz Nies und Richard Henle. Sie wurden 1897 auf einer Missionsstation in China ermordet. Das Herz des Museums bildet eine Gruppe von hunderten präparierten Tieren. Doch am eindrucksvollsten ist das Insektarium – ein Kabinett mit Schmetterlingen, Käfern, Heuschrecken, Skorpionen und Spinnen.
Der bekannteste Bewohner von Steyl
Niemand verlässt den Ort, ohne zuvor den Bären gefüttert zu haben. Der Bär des Missionsmuseums ist mit Abstand der bekannteste Bewohner Steyls. Wenn wir eine Münze in den Schlitz seiner linken Brust werfen, geschieht das Wunder, das Generationen von Kindern in Staunen versetzt hat. Tief brummend rollt der Bär mit den Augen, klappt sein Maul auf und zu und schüttelt seinen Bärenkopf als Zeichen des „Nein“.
Bis etwa 1930 führte der Bär ein unbeschwertes Leben irgendwo in den Wäldern Russlands. An einem Unglückstag geriet er in eine Falle eines Wilderers, der ihn tötete. Der verstorbene Bär wurde präpariert und erhielt im Inneren einen Mechanismus, der seine Bewegungen steuert. Das präparierte Tier hieß Joseph und war nach Joseph Stalin benannt. Dieser herrschte von 1928 bis 1953 als Diktator über die Sowjetunion.























