Eintritt
Klosterdruckerei
Für die Kongregation des Göttlichen Wortes war das gedruckte Wort eines der wichtigsten Instrumente, um den Glauben und das Missionsideal zu verbreiten. Im Dezember 1875, wenige Monate nach der Niederlassung in Steyl, kommt der Drucker Josef Stute in die ehemalige Herberge Ronck. Einige Wochen später wird die erste Druckpresse angeschafft, die manuell bedient werden muss. Am 27. Januar 1876 gibt Arnold Janssen den ersten Druck in Auftrag bzw. setzt die Presse selbst in Gang. Die übrigen Bewohner folgen, und so wird die „Druckerei des Missionshauses Steyl“ in Betrieb genommen.
Der Überlieferung nach wurde zu diesem feierlichen Anlass ein Fotograf eingeladen. Doch was geschah? Die Fotos misslangen. Janssen ließ ein Jahr später erneut einen Fotografen kommen. Dieser war erfolgreicher – so sehr, dass er später sogar ins Kloster eintrat. Als Ordensmann unterrichtete er die Missionare im Umgang mit der Kamera. So konnten sie an ihren fernen Einsatzorten festhalten, was sie sahen.
1893
Im Jahr 1893 wird die neue Klosterdruckerei an der Ecke Sint-Michaëlstraat und Parkstraat eingeweiht. Arnold Janssen erwirbt das Neueste vom Neuen im Bereich der Drucktechnik: eine Zweifarben-Rotationsdruckmaschine. 1901 wird eine Fünffarben-Rotationsmaschine angeschafft, die zuvor auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt war. Von Anfang an gehört die Klosterdruckerei zu den modernsten Druckereien Europas.
Im Zweiten Weltkrieg wird der Betrieb von den Besatzern demontiert, und sämtliche Maschinen und Materialien werden abtransportiert. Das Aushängeschild der Druckerei, eine imposante Rotationspresse, wird in elf Transporten nach Tschechoslowakei gebracht. Einige Jahre nach dem Krieg kehrt die Presse nach Steyl zurück.


1945
Im Mai 1945 wird die Niederlande vom nationalsozialistischen Joch befreit. Viele Menschen werden unter dem Verdacht der Kollaboration verhaftet. In Nord-Limburg werden diese sogenannten politischen Delinquenten in der leerstehenden Klosterdruckerei in Steyl untergebracht, die in „Lager Steyl“ umbenannt wird. Ab Juni 1945 treffen die ersten Verdächtigen ein.
Das stark beschädigte Gebäude ist für die zeitweise mehr als 750 Häftlinge viel zu klein bemessen. Nicht nur die sanitären Einrichtungen sind völlig unzureichend, es fehlt an allem: Tischen, Stühlen und Bänken, Schlafgelegenheiten und Küchenausstattung. Die Insassen des Lagers Steyl verrichten Zwangsarbeit außerhalb des Lagers. Das Regime ist äußerst streng.
Ende 1945 werden Verbesserungen an den unmenschlichen Bedingungen vorgenommen. Kurz darauf werden die weiblichen Gefangenen entlassen oder verlegt. Die Männer bleiben dort bis Oktober 1946.
Ehemalige Klosterdruckerei
In einem Teil der ehemaligen Klosterdruckerei befindet sich heute das Wereldpaviljoen, ein Erlebniszentrum, in dem Kinder und Erwachsene auf interaktive Weise nicht-europäische Kulturen und Lebensweisen kennenlernen können. Im Mittelpunkt stehen Ghana und Nicaragua.















