Klooster Sint-Gregor
Das schönste Geräusch von Steyl? Das Knarren des Holzbodens im Sterbezimmer von Arnold Janssen. Der Raum wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts stimmungsvoll rekonstruiert, unter anderem mit authentischen Möbeln wie dem Sterbebett und dem Betstuhl. Ein besonderes Möbelstück mit doppelter Funktion ist die alte Betttruhe. Sie konnte mit einem Holzkasten verschlossen und als Tisch verwendet werden. Der Altar stammt noch aus der Herberge Ronck. Arnold Janssen stand unzählige Male an diesem Altar. Der Gründer von Steyl erleidet am Tag vor dem Dreikönigsfest 1909 einen Schlaganfall. Er wird in sein Arbeits- und Schlafzimmer im Kloster St. Gregor gebracht. Sein Zustand verschlechtert sich schnell; er kann nur noch wenige Tropfen Wasser und Wein zu sich nehmen. Mit den ihn besuchenden Ordensleuten betet er um einen seligen Tod. In den frühen Stunden des Freitags, den 15. Januar 1909, stirbt er.
Das Sterbezimmer im Kloster St. Gregor wird vor allem von Ordensleuten besucht. An dem Ort zu sein, an dem eine inspirierende, die Vorstellungskraft anregende Person gestorben ist, ist etwas Besonderes. An einem solchen Ort vertieft sich das Gefühl der Verbundenheit mit der betreffenden Person.
Kloster St. Gregor steht leer
Kloster St. Gregor steht leer und wartet auf eine neue Bestimmung. Der eindrucksvolle Bau aus dem Jahr 1895 war das Zuhause der drei Ordensgemeinschaften, die von Arnold Janssen gegründet wurden. Schwestern, Patres und Brüder haben ihn in verschiedenen Zeiträumen bewohnt. Die letzte Nutzung war als Pflegeheim für ältere Ordensangehörige. Dieses Pflegeheim wurde 2008 abrupt geschlossen, nach einem Brand im benachbarten Limburgs Schutterijmuseum.
Gelegentlich öffnet sich die Tür des Klosters St. Gregor. Ein Besuch ist ein besonderes Erlebnis. Beim Eintritt werden wir von einer mannshohen Statue eines heiligen Papstes mit Tiara begrüßt – wir vermuten Gregor. Wir gehen durch Klostergänge mit schönen Fliesenböden in geometrischen Mustern und Buntglasfenstern. Wir sehen auf einen Innenhof, in dem die Natur freien Lauf hat.
Die Kapelle im Kloster St. Gregor ist eine Doppeltkapelle. Die Unterkapelle besitzt Kreuzrippengewölbe, die Oberkapelle ein Tonnengewölbe. Die Unterkapelle ist in zwei Bereiche geteilt: einen für die Missionsschwestern und einen für die Klausurschwestern. Solange die blauen und rosa Schwestern dort lebten, wurde die Oberkapelle für große Feiern und Studientage mit religiösem Thema genutzt. Nachdem die Missionsschwestern und die Klausurschwestern in das Heilig-Herz-Kloster umgezogen waren, erhielt die Oberkapelle andere Funktionen. Sie wurde unter anderem Schlafraum für Postulantinnen. Ab 1970 befand sich dort die Hauptbibliothek des Missionshauses St. Michael. Die drei monumentalen neugotischen Altäre in der Unterkapelle, geweiht der Maria, der Heiligen Dreifaltigkeit und dem Heiligen Josef, sind noch erhalten.
Bezaubernde Ästhetik
Überall im Kloster St. Gregor liegt eine dicke Staubschicht, die Wandfarbe blättert ab. Durch den Leerstand hat der Verfall eingesetzt. Er besitzt seine eigene, beinahe betörende Ästhetik. Es ist eine Schönheit – in den Worten der Schriftstellerin Marguerite Yourcenar – die durch Zeit und Widrigkeiten geschaffen wird.
Vom Veerweg aus gesehen fällt der Treppenturm an der Westfassade des Klosters St. Gregor auf. Daneben liegt ein ehemaliges Landhaus aus dem 18. Jahrhundert, ursprünglich im Besitz der Familie Moubis. 1890 wird es von Arnold Janssen erworben. Unter anderem haben dort auch die blauen und rosa Schwestern zeitweise ihren Wohnsitz gehabt.



















