Eintritt
Botanischer Garten Jochumhof
Steyl ist unglaublich reich an Geschichte und Kultur. Das Klosterdorf besitzt auch „grüne“ Juwelen: die Klostergärten und den Botanischen Garten Jochumhof. Wir reisen zurück in die Zeit, ins Jahr 1933. Um die Priesterstudenten in Steyl in direkten Kontakt mit der Natur zu bringen, beginnt der Biologielehrer Pater Peter Jochum mit der Anlage eines Gartens für besondere Pflanzen, Sträucher und Bäume.
Die Begeisterung des Ordensmannes wirkt ansteckend. Von Gärtnereien aus der Umgebung erhält er besondere Bäume. Steyler Patres und Schwestern bringen Stecklinge und Samen aus Missionsstationen in Asien, Afrika und Amerika mit. Der bescheidene Studierendengarten wächst und gedeiht innerhalb weniger Jahre zu einem wahren Hortus botanicus. Der leidenschaftliche Ordensmann ist fast Tag und Nacht in seinem kleinen Paradies zu finden.
Die ursprüngliche Flora ist weitgehend noch erhalten, und die Grundstruktur des Gartens hat sich kaum verändert. In den 1970er-Jahren wurden verschiedene Themengärten angelegt. An Mauern wachsen seltene Pflanzen; der Mörtel zwischen den Steinen dient als Lebensraum für Mauer-Zimbelkraut und Streifenfarn. Im Alten Hintergarten finden sich Teiche mit Seerosen. An einer Mauer wächst eine chinesische Geißblattart, die im Winter blüht. Auch das beheizte Gewächshaus mit Sukkulenten, Kakteen und mediterranen Pflanzen stammt noch aus der Zeit des Namensgebers.
Kutschenhaus
Beim Kräutergarten befindet sich das restaurierte Kutschenhaus. Es wurde 1810 von dem steinreichen Louis de Rijk errichtet. Die Vorderfassade bestand aus vier großen Durchfahrten. Die Entlastungsbögen ruhten auf drei Säulen und zwei breiten Stützpfeilern. Das Gebäude war offen gestaltet, um das Manövrieren mit Kutschen und Wagen zu erleichtern. Die Familie De Rijk selbst wird dies jedoch kaum getan haben, da sie vermutlich einen Kutscher beschäftigte.


Tigliengarten
Besonders interessant ist der Themengarten mit Flora aus dem Tiglien. Vor etwa zwei Millionen Jahren. Der Riesenbiber und das Riesenhirsch (Groot Tegels Hert) sind längst ausgestorben; ihre Nachbildungen stehen im Tigliengarten. Der Duftgarten ist so angelegt, dass auch Rollstuhlfahrer die Düfte der Kräuter in den erhöhten Beeten genießen können.
Ein Favorit vieler Besucher des Hortus ist der schöne Ginkgo, der 1935 von Pater Peter Jochum gepflanzt wurde. Fossilien des Ginkgo sind aus dem Perm bekannt, einer geologischen Epoche von vor mehr als 250 Millionen Jahren. Alle Arten sind ausgestorben – mit Ausnahme von Ginkgo biloba. Diese Art hat das Verschwinden der Dinosaurier ebenso überlebt wie in jüngerer Zeit die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Der Ginkgo trieb als einziger Baum wieder aus. Seine grünen Blätter gelten seither als Symbol des Friedens.
Der Ginkgo im Jochumhof ist so stark gewachsen, dass er geradezu dazu einzuladen scheint, von Jugendlichen erklommen zu werden. Ein Schild am Fuß des Baumes bittet höflich darum, dies zu unterlassen. Zu Recht – ein über neunzig Jahre alter Baum ist kein Klettergerüst.



















